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Personal & Recruiting

Stelle besetzen ohne Personalvermittler: ein Praxisbericht aus dem KMU

Mag. Volker Schattel

Von Mag. Volker Schattel · Veröffentlicht am 28.08.2026 · Aktualisiert am 07.10.2026 · Stand: 10/2026

Ein Personalvermittler kostet bei einer Besetzung üblicherweise 20 bis 30 % des Jahresbruttos – bei einer 48.000-€-Stelle sind das 9.600 bis 14.400 €, zweieinhalb bis dreieinhalb Monatsgehälter. Dieser Bericht erzählt, wie ein Produktionsbetrieb in Süddeutschland dieselbe Aufgabe anders gelöst hat: Stelle besetzt in gut vier Wochen, mit minimalen Kosten – und, das ist der eigentliche Punkt, mit einem Recruiting-System, das dem Betrieb danach gehört.

Die Ausgangslage: ausgeschrieben war schon – nur beworben hat sich niemand Passendes

Der Betrieb – rund 35 Mitarbeiter, Metallverarbeitung, ländliche Region – kam über eine Empfehlung. Gesucht wurde eine Teilzeitkraft für Buchhaltung und Einkauf, und gesucht wurde bereits: Es hatte eine direkte Ausschreibung gegeben, auch mit bezahlten Inseraten auf den einschlägigen Portalen. Der Rücklauf: nicht das, was gebraucht wurde.

Der erste Reflex in dieser Lage ist fast immer derselbe – noch mehr Geld ausgeben, noch ein teureres Inserat schalten, oder gleich den Personalvermittler anrufen. Das kann helfen. Aber wie so oft gilt: Wer die Hausaufgaben vorher nicht gemacht hat, den bringt auch das bezahlte Inserat nicht weiter.

Der Schritt zurück: erst die Basis

Also habe ich nicht mit einem Inserat angefangen, sondern mit einer Ist-Analyse. Das Ergebnis war für einen Betrieb dieser Größe völlig normal: Es gab praktisch kein Personalwesen. Keine durchgängige Stellenbeschreibung, keine lebende Karriereseite, keine konsistente Außendarstellung – ein bezahltes Inserat auf einer Plattform, das auf der eigenen Website nicht einmal auffindbar war. Für eine ordentliche Ausschreibung fehlte schlicht jede Basis.

„Hausaufgaben” heißt in diesem Kontext nichts Kompliziertes: eine ansprechende, zur Organisation passende Stellenausschreibung, die durchgehend und konsistent publiziert wird, die auffindbar ist, die richtigen Suchbegriffe bedient – und bei der ein Bewerber sofort den Eindruck hat: Hier kann ich mich bewerben, und hier geht etwas weiter.

Die Stelle neu geschnitten – und das Gehalt im Kontext geprüft

Bevor die Stelle neu ausgeschrieben wurde, haben wir sie neu geschnitten – so, wie die Organisation in drei Jahren aussehen soll, nicht wie sie heute aussieht. Aus der „Teilzeitkraft für Buchhaltung und Einkauf” wurde eine kaufmännische Allrounder-Stelle, flexibel von 50 bis 100 %: Kern Kreditoren- und Debitorenbuchhaltung plus Einkaufssachbearbeitung, dazu Stammdatenpflege und Auswertungen – Aufgaben, die im Betrieb ohnehin liegen blieben. Der Effekt: Der Bewerbermarkt wird schlagartig breiter, und die Stelle kann mit der Person wachsen.

Zum Zuschnitt gehörte das Gehalt – und zwar in beide Richtungen. Nach außen: Marktdaten geprüft (Entgeltatlas der Arbeitsagentur, Gehaltsportale, regionale Vergleiche) und ein Band festgelegt, das im regionalen Markt konkurrenzfähig ist. Die unbequeme Wahrheit aus diesem Check: Wer zu tief stapelt, bekommt keine günstige Fachkraft, sondern Profile ohne Routine und Kandidaten auf der Durchreise. Nach innen: geschaut, wie die Stelle zur bestehenden Gehaltsstruktur passt, und ein Entwicklungspfad gerade für Junior-Kandidaten festgelegt. Eine Stelle zu besetzen und das Gehalt isoliert zu verhandeln, ohne links und rechts im Unternehmen zu schauen, ist einer der größten Fehler im KMU-Recruiting – er rächt sich spätestens, wenn die Bestandsmannschaft die Zahlen erfährt.

Ausschreiben, ohne sich an eine Plattform zu ketten

Als Werkzeug haben wir ein schlankes Bewerbermanagement eingeführt – wir arbeiten mit join, DSGVO-konform, für KMU gedacht, unter 50 € im Monat. Stelle strukturiert angelegt, Auswahlrunden definiert, Textvorlagen für Eingangsbestätigung, Einladung und Absage hinterlegt, Filterfragen in die Bewerbung eingebaut. Das Setup lief an einem Wochenende; am Montag haben wir es gemeinsam per Videocall durchgesprochen und live geschaltet – inklusive eines Testlaufs mit einer Musterbewerbung, damit die kaufmännische Leitung den Prozess einmal von der Bewerberseite sieht.

Ausgespielt wurde über die kostenlosen Jobplattformen, LinkedIn und die eigene Website – so aufbereitet, dass die Stelle auch über die Google-Jobsuche gefunden wird. Das ist der entscheidende Unterschied zur Einzelplattform: Auch ein bezahltes Inserat bindet Sie an die Reichweite genau dieser einen Plattform, und keine einzelne Plattform erreicht den ganzen Bewerbermarkt – am nächsten kommt dem noch Google. Breit auffindbar zu sein schlägt teuer platziert zu sein. Nebeneffekt: Die Karriereseite des Betriebs, vorher tot, war ab diesem Tag live.

Tempo entscheidet: Der Auftraggeber schaltete in den Werbemodus

Auf eine solche Stelle kommen vielleicht zwei oder drei Bewerbungen, die wirklich top passen – und genau um die dreht sich alles. Unsere Regel: A-Kandidaten bekommen innerhalb von 24 Stunden einen Anruf, in der Regel innerhalb weniger Stunden. Das klingt nach mehr Arbeit, als es ist – es sind ja nur zwei, drei Anrufe. Aber es verändert alles: Der Kandidat merkt, hier geht etwas weiter.

Die zweite Hälfte dieser Regel betrifft den Auftraggeber – und hier hat der Betrieb perfekt mitgespielt: Nach dem ersten guten Eindruck schaltete er in den Werbemodus um. Innerhalb weniger Tage fanden mehrere Gespräche statt, eine Betriebsführung, ein kurzes Hallo mit den möglichen künftigen Kollegen – und dann lag ein Angebot auf dem Tisch. Dieser Prozess ist als Bewerbererlebnis unschlagbar, und er wird nur von ganz wenigen Unternehmen so gelebt. Die meisten lassen ihre besten Kandidaten zwei Wochen auf eine Eingangsbestätigung warten.

Das Ergebnis – und die Überraschung dabei

Besetzt war die Stelle gut vier Wochen nach der neuen Ausschreibung. Und zwar anders als intern erwartet: Gerechnet hatte man mit einer erfahrenen Sachbearbeitung – den Vorzug bekam am Ende eine Junior-Kraft mit Entwicklungsperspektive. Den Ausschlag gaben der neue Stellenzuschnitt und der Entwicklungspfad: eine Person, die in die breitere Rolle hineinwächst und mittelfristig Teilbereiche eigenständig übernimmt, statt einer, die exakt das Anforderungsprofil von gestern erfüllt.

Weil der Betrieb an jeder Stelle mitzog, blieb der Beratungsaufwand überschaubar: rund 16 Stunden, inklusive Gehaltsvergleich und Einbindung der Karriereseite – ein Bruchteil dessen, was ein Vermittler verrechnet hätte, und ohne einen Euro für Inserate.

Warum nicht einfach ein Personalvermittler?

Ein Vermittler kann die richtige Lösung sein – etwa wenn es um eine Spezialistenrolle geht, für die aktiv gesucht werden muss. Aber man sollte verstehen, was man kauft: Personalvermittlung kauft ein einzelnes Besetzungsergebnis. Unser Ansatz verfolgt ein anderes Ziel – die Stelle besetzen und dem Betrieb dabei einen Recruiting-Prozess hinterlassen, den er bei der nächsten Stelle selbst nutzt.

Dazu zwei Beobachtungen aus meiner Praxis, als solche gekennzeichnet. Erstens die berühmte Kartei: Sie ist kleiner, als die Branche glauben macht. Und als anekdotische Randnotiz: Es kommt vor, dass derselbe Kandidat im Lauf der Jahre mehrfach vermittelt wird – das dürften schwarze Schafe der Branche sein, aber man darf es beim Honorargespräch im Hinterkopf haben. Zweitens, strukturell wichtiger: Der Vermittler sieht die Stelle isoliert. Er schaut in der Regel nicht, wer die Kollegen sind, wie die Gehaltsstruktur aussieht, wie das Unternehmen tickt. So entstehen Besetzungen, die auf dem Papier passen und in der Realität nicht – und die Folgekosten einer Fehlbesetzung trägt nicht der Vermittler, sondern Sie.

Genau deshalb ist das bleibende System der eigentliche Unterschied: Die Karriereseite lebt weiter, Initiativbewerbungen laufen strukturiert auf, die Gehaltsstruktur ist durchdacht – und die nächste Stelle schreibt der Betrieb weitgehend selbst aus.

Daraus ist ein Angebot geworden: Recruiting mit System

Weil diese Aufgabe in KMU ständig auftaucht, bieten wir den Ablauf als Recruiting mit System an: Wir sorgen für ein funktionierendes Recruiting – oder arbeiten mit Ihrem, wenn es eines gibt – und setzen es sofort bei der offenen Stelle ein: Stelle zuschneiden, Gehalt im Markt und im Haus prüfen, ausschreiben, Bewerbungen sichten, Gespräche führen, die Passenden vorstellen. Sobald wieder Luft da ist, übergeben wir: Ihre Führungskräfte übernehmen eine aktive Rolle und führen Bewerbungsgespräche sicher selbst.

Abgerechnet wird nach Aufwand, monatlich mit Stundennachweis. Auf Wunsch vereinbaren wir einen Festpreis je Stelle mit drei Monaten Nachbesetzungsgarantie. Eine Vermittlungsprovision gibt es nicht – und das Recruiting bleibt bei Ihnen.

Eine ehrliche Bedingung gehört dazu: Das funktioniert, wenn Sie mitziehen – schnelle Rückmeldungen, schnelle Interviews, Entscheidungswille, wenn der richtige Kandidat vor Ihnen sitzt. Ein Betrieb, der jede Entscheidung drei Wochen liegen lässt, wird auch mit dem besten Prozess nicht besetzen – dann ist Recruiting mit System das falsche Angebot, und das sagen wir vorher.

Weitere Fälle nach demselben Muster – übernehmen statt beraten – stehen in der Projektgalerie.

Der erste Schritt

Wenn bei Ihnen eine Stelle offen ist – oder seit Monaten offen bleibt: Der erste Schritt ist keine Anzeige, sondern ein Blick auf Zuschnitt, Gehalt und Prozess. Genau das klären wir in einem Erstgespräch; danach wissen Sie, ob Recruiting mit System bei Ihnen funktioniert.


Volker Schattel führt die Unternehmensberatung Schattel und deren Payroll-Marke LohnLotsen. Der beschriebene Fall ist ein Kundenmandat von 2026; Details sind zum Schutz des Kunden verfremdet. Stand: 10/2026.

Mag. Volker Schattel

Über den Autor

Mag. Volker Schattel führt Schattel – Unternehmensberatung in Sistrans bei Innsbruck: 20 Jahre Praxis in HR, Controlling und Restrukturierung, kombiniert mit konsequentem KI-Einsatz. Er übernimmt Führungs- und Umsetzungsaufgaben in KMU im DACH-Raum – remote, dokumentiert, mit Systemen, die danach allein weiterlaufen.

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